Heute: Frühe Slots auf Festivals sind undankbar: 6 Tipps, wie ihr als Band das Publikum trotzdem auf eure Seite zieht. Dazu eine Entscheidungshilfe, wie ihr Paul Simon ansprecht, solltet ihr ihn mal treffen. Und: Gedanken eines Kelly-Family-Fans.
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Na?
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Die Festivalsaison läuft und damit auch die Möglichkeit, ganz viele neue Artists zu entdecken. Ich freue mich immer am meisten auf die 14:00-Slots, bei denen ich ganz in Ruhe meine nächste Musikobsession finden kann. Aber nicht jede*r ist so ein tolles Publikum wie ich und diese Slots können für Künstler*innen sauschwer zu spielen sein. Denn unter den überschaubaren Zuhörer*innen herrscht oft eine fast herausfordernde Skepsis: 'Nun überzeug uns mal'. Einige Künstler*innen machen dann ihre Trickkiste auf und haben Methoden, wie sie im Handumdrehen die Menschen erreichen. Meine Beobachtungen: – Rosalie
Vorsingen zum Mitsingen Wir alle lieben es, auf Konzerten mitzusingen, allerdings geht das schwer bei Neuentdeckungen. Ich habe schon ein paar mal erlebt, wie Musiker*innen ein Drittel ihrer Bühnenzeit geopfert haben, um vor jedem Song einmal die Hook mit den Menschen zu üben. Lohnt sich das? Absolut! Versteht mich nicht falsch: Ich meine kein Call & Response oder aufwändige zweite Stimmen. Ich will vor jedem unbekannten Song einfach dreimal den Refrain reingeballert bekommen und schon hör' ich mit anderen Ohren zu und fühl den Vibe. So gehe ich mit einem Ohrwurm aus dem Konzert raus, habe direkt einen Lieblingssong und erinnere mich an Melodien, die ich bis dahin noch nicht kannte. Wir lieben es doch, wenn wir von Anfang bis Ende an die Hand genommen werden.
Herausforderungen Was TikTok groß gemacht hat, schadet auch auf einem Festival nicht. Denkt euch zwei, drei Dancemoves aus und setzt diese gleich zu Beginn des Sets ein. Für Acts, die keinen Bock auf Tanzen haben, kann ich alternativ auch das gute, alte Klatschen empfehlen. Sucht euch eine Stelle aus, wo nur ein einziger, synchroner Klatscher kommen soll, übt mit dem Publikum. Wenn es nicht klappt, kichern alle, wenn doch, sonnt man sich im Stolz. Wenn sich Menschen herausgefordert fühlen, laufen sie zu Höchstform auf.
Chant mit dem Künstler*innen Namen Was Fußballclubs können, können Musiker*innen doch wohl besser! Beim Lunatic Festival in Lüneburg habe ich Aka Kelzz gesehen (Empfehlung für alle smoothen R'n'B-Fans) – eine echte Wucht was Faninteraktion angeht. Mit nur wenigen Klängen gelang es Aka Kelzz immer mehr Personen in den Bann zu ziehen und sie dort auch zu halten. Damit sich alle den Namen merken, hat Aka Kelzz einen eigenen kleinen Sing-Along-Song daraus gezaubert. Aka Kelzz hat die Mini-Hymne ungefähr nach dem dritten Song eingeführt und sie dann hier und da wiederholt. Am Ende hat sich der Name wirklich eingebrannt. Klar gibt es Menschen, die das Programmheft gut aufbewahren und am Ende eines Festivals nochmal in die Nachbesprechung gehen, aber dank der Namensmelodie werden sich wohl auch alle anderen noch an Aka Kelzz erinnern.Aka Kelzz ist demnächst übrigens auf Tour, das Berlin-Konzert serviert euch Loft Concerts.
Persönlichkeit zeigen Ich weiß nicht warum, aber inzwischen ist es schon fast außergewöhnlich, wenn Bands mehr Publikumsinteraktion an den Tag legen als "Geht's euch gut?". (Wieso ist echte Faninteraction so selten geworden? Darauf muss ich an anderer Stelle nochmal rumdenken.) Dabei ist es so einfach, ein bisschen mit dem Publikum zu plaudern: Moderiert eure Songs an, präsentiert kurze Anekdoten aus dem Musikleben, teilt Eindrücke und Beobachtungen von den Festivals. The Beths hatten auf ihrer letzten Tour einen Breakfast-Blog und weil sie oft zwischen Raststätten und coolem Hotelfrühstück wechselten, war das ein erstaunlich ertragreiches Thema. Selbst schnöde Hearbreaksongs lassen sich mit einem Cliffhanger oder einer offenen Frage anmoderieren, was mich direkt in eine aufmerksamere Zuhörerin verwandelt. Ich kenne euch kein bisschen, gebt mir einen Funken Persönlichkeit zu den Songs und ich bin direkt konzentrierter.
Zugaben? Zugaben sind auf Festivals wegen der engen Zeitpläne selten möglich. Kalkyl, die auf dem Maifeld Derby direkt vor uns gespielt haben, waren aber clever: Sie haben ihre Zugabe von der Bühne in das Publikum verlagert. Während auf der Bühne bereits für den nächsten Act umgebaut werden konnte, sangen Kalkyl mit Akustikgitarren und ohne Mikro zwischen den Stuhlreihen noch einen letzten Song ganz intim und quasi zum Anfassen (bitte trotzdem nicht anfassen) umringt vom Publikum. Auch nach diesem letzten Lied blieb eine Menschentraube um die Jungs herum bestehen, war super interessiert und hat danach das Gespräch gesucht. Man muss also nicht immer sein ganzes Herz offen legen oder sich verbiegen, denn dieser kleine Trick war für mehrere Besucher*innen mit absoluter Sicherheit ein Festivalhighlight.
QR Codes Für langfristige Interaktion: Hängt an den Bühnenrand ein Plakat mit einem QR-Code zu eurem Linktree auf. Interessierte können so gleich reinfolgen und mehr Infos bekommen. Und alle, die euch filmen, werden von ihren Smartphonekameras eh direkt auf den Code gestoßen.
Was macht ihr als Band, um die Aufmerksamkeit eines Festivalpublikums zu erhaschen? Was habt ihr als Fans schon für ungewöhnliche Newcomer*innen-Aktionen gesehen?
PS: Liebe Festivalbesucher*innen, bitte versackt nicht im Camp, sondern bewegt eure Zuckerpopos vor die Bühnen. Beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass ich mich vor allem an die Neuentdeckungen auf Festivals erinnern kann. Die großen Acts verschmelzen zu einer Masse an Euphorie, Moshpits und Ausgelassenheit, was schön ist. Aber ich könnte euch kein einziges Detail von den Sets der großen Headliner geben, während die 14:00-Slots nicht selten zu erinnerungswürdigen Momenten enormer Fanliebe wurden.
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Es ist ein Song, der auf jeder Party funktioniert. "You Can Call Me Al". Wie oft sich Paul Simon seit dem Release 1986 wohl schon als Al ansprechen lassen musste, weil es immer wieder Witzbolde gab, die dachten, sie machen den Joke jetzt zum ersten Mal? Hier eine kleine Entscheidungshilfe, ob ihr das im Falle eines Zusammentreffens mit dem Songwriter versuchen solltet. Es steht doch alles in den Lyrics! : – Melanie
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Als ich jung war, wurden alkoholische Getränke mit dem Spruch "Ex oder Kelly-Fan" gestürzt. Da wagte niemand, den Shot nicht sofort auszutrinken, denn iiihhh, wer wollte als Kelly-Fan gelten? Als ich noch jünger war, war ich Kelly-Fan. Übers Fansein, Läuse-Leute und geheilte Narben aus aktuellem Anlass. – Melanie
Gabriel Kelly ist einer der Söhne von Angelo und macht ebenfalls Musik. Seine aktuelle Single heißt *drumroll*: "Ex oder Kelly-Fan". Der Song zählt alle Klischees auf, die es über die musizierende Großfamilie gab, und moniert, wie es ist, mit diesem Image aufzuwachsen.
"Jedes Klischee ist wahr Ich dusche wenn's hochkommt nur 3 Mal im Jahr Eine Schwester meines Vaters ist auch meine Mom Wirklich kreativ, du bist der Erste, der das sagt Fuck it, alle meine Möbel sind vom Schrottplatz Wörter wie 'Frisör' befinden sich nicht in meinem Wortschatz"
Natürlich kann man sich denken, dass der oben erwähnte Trinkspruch auch der Kelly Family nicht verborgen blieb. Da möchte man es geradezu stark finden, dass ein Spross sich nun selbst ermächtigt. Das nehme ich zum Anlass, um das Gleiche zu tun. Aus Fan-Perspektive.
Kelly-Fan war sie also. So richtig, mit allem. Poster, Puzzle, Bettwäsche. Deswegen fand ich es halbwegs doof, als Matti bei einem Schulausflug in der 9. Klasse morgens um 4 Uhr die letzten Kurzen mit "Ex oder Kelly-Fan" servierte, hatte aber nicht die Chuzpe, das zu sagen. Ich hab nur "Hahaha, genau" gelacht und gekippt. Da hatte ich meine aktive Fanphase etwa acht Jahre hinter mir, aber schon lange gelernt, dass das nichts war, was man laut zugab, auch wenn es "verjährt" war.
Ungefähr zeitgleich zum Schnapsvorfall begann ich, Musikmagazine abseits der BRAVO zu lesen und die Autoren, die mich am meisten begeisterten, waren die, die sich so schön gehässig über uncoole Artists erhoben. Es war Anfang/Mitte der 00er Jahre, die Zeit der Bad-Taste-Partys und guilty pleasures, wo "solche" Songs nur unter dem Deckmantel der Ironie gehört wurden (Zum Glück hat sich das geändert! Memo an mich selbst: Das ist ein weiterer Text.). Für eine dieser Bad-Taste-Partys im Berliner Magnet schnitt ich den Kragen aus meinem alten Kelly-Family-T-Shirt, damit das Kleidungsstück mit dem auf einmal für mich trashigen Motiv modisch über meine Schultern fallen konnte.
Ich hatte damals keinerlei Verbindung mehr zu meinem 8-jährigen Ich. Mit Anfang 20 war mir ganz klar, dass diese Phase ja wohl vorbei und mein Musikgeschmack jetzt poliert und vorzeigbar war. "I was so much older then, I'm younger than that now," um es mit The Byrds zu sagen (Wehe, jemand slidet in meine DMs, um mir zu sagen, dass das ein Bob-Dylan-Cover ist, ihr kennt meine Meinung zu Bob Dylan!): Heute weiß ich, dass ich mit 8 eigentlich alles wusste. Wahrscheinlich sogar mehr also jetzt.
Mitte der 90er Jahre war die Hochzeit der Kelly Family, ich 1. Klasse und mittendrin. "Dann muss ich es wohl auf mich nehmen," sagt meine Mama, als ich sie danach frage, wie ich überhaupt Fan geworden bin. Sie erzählt, wie sie 1994 das Kelly-Durchbruchsalbum OVER THE HUMP aus der Bibliothek für uns auslieh und damit beim Backen nach der Schule das Kassettenabspielgerät bestückte. "Weil ich die auch gut fand. Und wir mussten die Nachmittage gestalten, warum nicht ein bisschen singen? War besser als die Schlumpf-Musik." Papa sagt nur, dass ihm das wurscht war und macht einen seiner flotten Sprüche, dass er sich gewünscht habe, ich hätte lieber was Ordentliches gehört. Dass er dem lokalen CD-Shop einen 3D-Pappaufsteller in Form des berühmten Kelly-Doppeldeckerbusses abschwatzte, der genauso groß war, wie ich damals, und in dem fortan meine Kuscheltiere wohnten, will er angeblich vergessen haben.
Auch sonst arbeitete mein Umfeld hart für mich: Meine Oma kaufte mir jede Woche die BRAVO, ich war mit Infos, Postern und diversen BRAVO-Extras über die Band (Autogrammkarten? Ketten? Diese Schrumpffolien, die man um Ostereier macht?) bestens versorgt. Meine andere Oma brachte mir Bettwäsche aus Polen mit, damit ich meinen Kopf auf Angelo und Paddy betten konnte. In Tschechien kauften mir meine Eltern T-Shirts (unter anderem das, was später auf der Bad-Taste-Party geschmäht wurde) und ein Kelly-Kleid – das war kein gebrandetes Merch, sondern sah einfach so aus, wie etwas, das die Frauen der Kelly-Family auf der Bühne trugen; hellbraun-golden, ein bisschen mittelalterlich. Meine Haare gingen bis zum Po, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das ein Ergebnis meines Fanseins war oder einfach Fügung. Mit meinem Kleid hätte ich sofort neben Paddy auf der Bühne stehen können und wäre nicht aufgefallen. Meine Freundinnen waren ebenfalls riesige Fans. Im Hort gab es einen kleinen Raum mit Kassettenrekorder, wir haben OVER THE HUMP eingelegt und inbrünstig "First Time" (Das Video dazu hatte mir Angst gemacht, denn Patricia springt darin aus dem Fenster – was ich noch nicht ganz als Fiktion wahrnehmen konnte.) und "An Angel" performt. Die Kelly Family war ein Wohlfühlort.
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Nach der 2. Klasse sind wir umgezogen und ich musste die Schule wechseln. Auf einmal war niemand um mich herum Kelly-Fan und ich hab mich nicht mehr getraut, das nach außen zu tragen. Stattdessen versuchte ich, irgendwie Anschluss zu finden, indem ich so tat, als würde ich DJ Bobo mögen. Das hab ich schnell wieder sein lassen. Dass es Leute gab, die mit der Band nichts anfangen konnten, merkte ich aber natürlich schon viel früher. Im Fernsehen machte laufend irgendwer Witze, wie ungewaschen, ungekämmt, talentlos, hippiesk die Kellys wären. Oder dass die Jungs aussahen wie Mädchen, sie hatten schließlich lange Haare! Hallo Misogynie. Das hat man auch als Fan direkt abbekommen. Ich denke oft daran, wie ich vor dem Fernseher in unserer Neubauwohnung saß und mir gerade einen Konzertmitschnitt ansah, den mein Papa für mich aufgenommen hatte, als Freund*innen meiner Eltern zu Besuch kamen. Sie sahen kurz auf den Bildschirm und lachten dann laut heraus: “Ach, die haben doch alle Läuse!” Wahrscheinlich werd ich diesen Satz mein ganzes Leben nicht vergessen. Was ich geantwortet hab, weiß ich nicht, ich schätze gar nichts. Das Gefühl von Scham erinnere ich allerdings auch 30 Jahre später haargenau. Bitte: Seid. Niemals. Diese. Personen.
Wie man als erwachsener Mensch so unüberlegt gehässig sein kann, wenn sich jemand aufrichtig über etwas freut. Dinge hassen, weil sie populär sind, macht niemanden cool. Andere shamen für etwas, dass sie glücklich macht, weil man das selbst nicht nachvollziehen kann, macht niemanden cool – und im schlimmsten Fall in der anderen Person etwas kaputt. Und es hätte ja auch schlimmer kommen können, ich hätte Blümchen-Fan sein können. Nicht falsch verstehen, wir lieben Blümchen, absolut iconic, aber in der musikalischen Herangehensweise war die Kelly Family eine richtige Band. Und kein Labelprodukt. Es war eine stinklangweilige, richtige Band, meine Güte. Diese Erwachsenen haben Vaya Con Dios und Simply Red gehört, also bitte.
An Skandale um die Kelly Family in den 90ern kann ich mich nicht erinnern. Sie waren sehr erfolgreich. Irgendwann haben sie sich zerstritten, Paddy ging ins Kloster, die anderen sich Berichten zufolge an die Gurgel. Joey Kelly hat vor gar nicht allzu langer Zeit fröhliche Touren mit Till Lindemann gemacht, darüber sollte man mal reden. Und vielleicht über die Angelo-Kelly-Verschwörung. Ich lese mich jetzt aber absichtlich erst nach diesem Text in die Furchen und Fatalitäten ein. Das hier ist nur meine Geschichte. 1997 war meine Begeisterung langsam verglüht, meine Wände beherberten jetzt erst Gil, dann Hanson (Erkennt jemand ein Muster?). Als die BRAVO eine News brachte, dass Jimmy sich die Haare abgeschnitten hatte, fühlte sich das trotzdem wie Verrat an. Aber eben auch wie Abschluss.
So wenig ich mich jetzt für meine erste Fanliebe schäme (Bettwäsche, Puzzle und T-Shirt sind hier und regelmäßig in Gebrauch), so kleinlaut muss ich zugeben, dass die Musik der Kelly Family mich nicht großartig begleitet. Sie ist nicht schlecht! Aber wenn ich jetzt Songs wie "Why Why Why" oder "Roses Of Red" höre, sind sie eindeutig Kinder ihrer Zeit. Ein paar sind dennoch in meinen Playlisten, zum Beispiel "Fell in Love With An Alien". Den Bericht zum Videodreh in der BRAVO hab ich glasklar vor Augen, die Zeitschrift wollte ordentlich Stimmung gegen die Schauspielerin im Video machen: "Wer ist die Schöne, in die sich Paddy hier verliebt?," irgendwie sowas stand da und sollte uns eifersüchtig machen (hat natürlich geklappt). Sie hätten lieber über die sicken Special Effects mit dem Raumschiff schreiben sollen, naja.
Ein Song überstrahlt aber nicht nur das Oeuvre der Band, sondern ist meiner Meinung nach auch zu den Top 3 der besten Liebeslieder aller Zeiten zu zählen. Das kniefällige Flehlied "Can't Help Myself" vom damals 15-jährigen Angelo, post-Stimmbruch, höre ich circa dreimal die Woche und jedes Mal schießen mir die Tränen in die Augen vor Grandezza und einer Ahnung von Teenage-Drama. Und das, obwohl ich Team Paddy war (naja, let's be honest, es sind Paddys Backing Vocals, die das Ding eintüten). brb, muss Liebesbrief auf Diddle-Papier schreiben.
Was wollte ich jetzt eigentlich erzählen, außer 'nen Schwank aus meiner Jugend? Hört, was ihr wollt, wenn es euch glücklich macht. Schämt euch nicht, das ist nicht angebracht. Das Konzept 'Guilty Pleasure' wurde von Rolling Stone Men erfunden. Die meisten von uns wissen heute zum Glück: There's no guilt in pleasure. Seid nicht die Läuse-Leute, seid die BRAVO-&-Bettwäsche-Omas. Lasst andere genießen, was sie wollen, solange sie damit niemandem schaden. ("Höhöh, aber die Musik ist so scheiße, das ist Körperverletzung." Ist es nicht, setz dich hin und halt die Fresse, Mario.)
Und sorgt damit auch dafür, dass Musiker*innen keine Songs schreiben müssen, in dem sie aufzählen, wie ihre Eltern beleidigt wurden.
Darauf trinke ich. In ganz kleinen Schlucken.
Habt ihr Gefühle zur Kelly Family? Hattet ihr eine*n andere*n Favourit*in als Paddy oder Angelo? Hat euch jemand mal ein schlechtes Gefühl gegeben, weil ihr Fan von etwas wart?
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PS: In der MDR Mediathek gibt es grad die 4-teilige Doku "Die Kelly Family und der Osten", wo Jimmy, Johnny, Joey und Kathy erzählen, wie sie nach der Wende in der ehemaligen DDR ihre ersten großen Shows gespielt haben. Highlight: Ein Ausschnitt von Angelo, wie er im Kessel Buntes ein Lied darüber singt, dass er nicht mehr ins Bett pinkeln wird.
PPS: Gibt es eigentlich schon einen Podcast, der die ganze Story der Kellys erzählt? Wenn nicht, würde ich mich an dieser Stelle galant für Pitch, Redaktion und Moderation ins Gespräch bringen.
PPPS: Unsere ehemalige Kollegin Alena Struzh ist in einem anderen Kulturkreis ohne Kelly Family aufgewachsen. Trotzdem oder deswegen ging sie 2018 aufs Comeback-Konzert der Band und es war… ein Erlebnis für sie.
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Das war's für dieses Mal. Melanie und Rosalie (die Super-Drinnies) waren auf der Fusion. Das war's, das ist die Pointe. Das ist für sie so absurd, so out of character und wirklich ein ganz, ganz ganz großer Witz, den ihr Leben hier erzählt. Sie schmunzeln immer noch und sind gespannt, wo ihre Live-Aktivitäten sie noch überall hinführen.
Die nächste Ausgabe ZWISCHEN ZWEI UND VIER erscheint am 16. Juli.
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